Hackerangriff erschüttert erneut Bundestag

4.1.2019

G0d heißt der Name des Twitterers, der zum größten Sicherheitsfiasko in der deutschen Geschichte geführt hat. Tag für Tag öffnete er im Dezember auf seinem Twitter-Account die Türchen eines virtuellen Adventskalenders und präsentierte nicht nur die Zugangsdaten zu E-Mail-Postfächern vieler Parlamentarier, sondern auch zu Inhalten von Korrespondenzen und Dokumenten.

Nationale Cyber-Abwehrzentrum hat Koordination übernommen

Heute Morgen trat die Bundesregierung vor die Bundespressekonferenz und informierte über die erste Sachlage. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüfe den Fall derzeit in enger Abstimmung mit weiteren Bundesbehörden. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum habe die zentrale Koordination übernommen. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum bündelt die in den Sicherheitsbehörden des Bundes vorhandene Expertise im Bereich Cybersicherheit und hat das Ziel, eine effektive und effiziente Zusammenarbeit aller staatlichen Stellen zur Koordinierung von Schutz- und Abwehrmaßnahmen gegen IT-Vorfälle zu gewährleisten.

twitter und blogspot sperren Zugänge der Hacker

Hier liegen die Daten zum Download: „PrivateBin“
Quelle: Screenshot PrivatBin

Auch Prominente sind von dem Hack betroffen. Twitter sperrte heute Morgen die Seite des Twitterers „G0d – @_0rbit“. Auch sein Blog auf auf der Google-Blogcommunity blogspot.com wurde abgeschaltet. Auf der Internetplattform „PrivateBin“ sind die Daten allerdings immer noch verfügbar. Nach eigenen Angaben handelt es sich hierbei um einen „minimalistischen, quelloffenen’Pastebin‘-artigen Dienst, bei dem der Server keinerlei Kenntnis der Inhalte hat.“ Auf einem Pastebin können anonym Texte und Dateien veröffentlicht werden. Besonders typisch sind die sogenannten Syntaxhervorhebungen je Zeile wie man sie bei Programmieren einsetzt.

Barley: Schwerwiegender Angriff auf das Recht auf Privatsphäre

Das BSI spricht in einer ersten Stellungnahme davon, dass nach jetzigem Erkenntnisstand die Regierungsnetze nicht von dem Hackerangriff betroffen sein. Die Daten sollen aus sozialen Medien und privaten Clouds stammen. Fraglich ist allerdings, wie die Hacker an die Zugangsdaten gelangten und Korrespondenzen und Dokumente abgreifen konnten, insbesondere da dies nicht der erste erfolgreiche Angriff auf die geheimen Daten der Abgeordneten und Regierungsverantwortlichen war. Justizministerin Katarina Barley und andere Politiker haben sich heute Morgen zu Wort gemeldet. Barley sieht in der Veröffentlichung persönlicher Daten einen schwerwiegenden Angriff auf das Recht auf Privatsphäre und damit einen Grundpfeiler der Demokratie. „Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, warnt die Justizministerin.

Frage nach der nationalen Sicherheit

Nach dem erneuten Sicherheitsfiasko müssen sich die Sicherheitsverantwortlichen die Frage stellen, wie die Zugangsdaten von Bundestagsabgeordneten erneut abgegriffen werden konnten. Hier sollten doch besondere Sicherheitsmechanismen praktiziert werden, wenn es um die nationale Sicherheit des Landes und der Integrität der Gesellschaft geht.

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